Wenn man als Musiker an das Wort "Hammond" denkt, denkt jeder sofort an die "B3". DIE Elektrische Tonewheel-Orgel, die die Musik revolutioniert hat. Die Orgel, die es bis heute in Pop, Rock, Funk, R&B,Blues uvm. nicht zu missen gilt.

Eine richtige B3 kostet heute ein Vermögen und ist sau schwer, durch die Mechanik sollte der Transport auch nur mit Fachpersonal geschehen.

Das SK1 von Hammond bringt eine Tonewheel-Orgel im Kompaktformat mit und ist zeitgleich mehr.
Und genau das schauen wir uns heute mal genauer an, im Folgenden gibt´s auch mal einen Crash-Kurs in Sachen Zugriegel.

Auch hier: No Pics, beim großen T gibt´s genug Anschauungsmaterial ^^

Also, Let´s go!

Das SK1 (ich vermute: SK=Stage Keyboard) ist eine mobile Orgel mit weiteren Klangfarben (ähnlich der Roland V-Combo und dem Nord Stage) und kommt in 61,73 und 88 Tasten daher. Verpackt in einem mattschwarzem Gehäuse mit rotbraunen Seitenteilen, macht es einen etwas betagten, aber für diese Art Instrument angenehmen optischen Eindruck.
Das SK2 ist quasi die 61-Tasten-Version mit 2. Manual

Gleich beim Auspacken (SK1 73, Neuware, zum Test überlassen) der erste Schock:
Das Teil ist Made in China! Also nix mit Hammond USA oder Japan. Naja, mein PC3 Le ist auch aus China und tut sein Werk, also weiter im Text.
Dann der nächste Schock: Kein eingebautes Netzteil, sondern ein, wie bei billigen Keyboards üblich, billiger Stecker für ein externes Netzteil.

Aber egal, ab zu den Anschlüssen:
Line Out, Kopfhörer, mehr gibt´s auf der Audio-Seite nicht zu vermelden.
Ein MIDI-Duo und ein USB-Slot sorgen für Kommunikation mit anderen Instrumenten (auch Pedal) und zum Nachladen neuer Sounds.

Ein Dämpfer-Pedal, ein Fußschalter und ein Schweller kann über die rückseitig verbauten Buchsen angeschlossen werden.
Über einen 8-Pin-Anschluss kann ein Leslie angeschlossen werden (was das ist erfahren wir später).

Die Oberfläche ist vollgestopft mit Reglern, Schaltern und Tastern, wobei die Farben Rot und Braun dominieren. Die Optik ist sehr angestaubt, aber fügt sich trotzdem gut ein.
Ein Monochromes Display zeigt die nötigen Parameter an.

Da ich das Teil nur als Orgel nutzen würde, erspare ich mir einen großen tiefen Einschnitt in die "restlichen" Klänge, man kann sie jedoch als "brauchbar" bezeichnen. Nicht perfekt, aber als nette Ergänzung.

Die Tastatur kann übrigens gesplittet werden, einen Layer habe ich allerdings nicht zusammenbauen können. Wenn da wer mehr Ahnung hat: Bitte korrigieren :)

Bevor wir uns die Orgel-Sektion anschauen, ein kleiner Exkurs in die Tonewheel-Orgel:

Die klassische Orgel ist ein Blasinstrument. Ein konstanter Windstrom (mittels Fußpedal beim Harmonium), der entweder von einem Blasebalg kommt oder aus einem Ventilator, wird über Kanäle an entsprechende Pfeifen-Register geleitet und so die Pfeife zum klingen gebracht.

Die Hammond-Orgel erzeugt ihren Klang durch 9 sich drehende Tonewheels, welche an einem Magneten eine Spannung erzeugen, die den Klang ausmacht.
Jedes Rad kann mittels Zugriegel näher an den Magneten gebracht werden, wodurch der Ton lauter wird, bzw entfernt werden, sodass es leiser wird.
Die ganze Mechanik ist empfindlich und eignet sich nicht sonderlich gut zum Transport, sofern man nicht pfleglich damit umgeht.

Jetzt kommt ein bisschen Fachwissen aus der klassischen Orgel:

Die klassische Hammond hat 9 Tonewheels, welche in den Fußlagen
16'
5 1/3'
8'
4'
2 2/3'
1 3/5'
1 1/3'
1'
gestimmt ist.

Die "glatten" Fußlagen entsprechen dabei einer Tonhöhe. Ein 8' Register klingt eine Oktave höher, als ein 16'. 2' eine Oktave höher als 4' usw.

Zieht man also "All Even", sprich alle glatten Fußlagen, so hat man blöd gesagt ein und den selben Ton über 5 Oktaven verteilt auf EINER Taste (jetzt wird vielleicht klar, warum die Dinger trotz "nur" 9 Fußlagen so voll klingen)

Da diese Fußlagen, außer in der Oktav-Verschiebung klanglich keine Änderungen haben, stellen sie quasi die Prinzipale dar.

Die "Krummen" Fußlagen, auch Aliquoten genannt, sind Register, die nicht exakt auf den Kammerton gestimmt wurden, sondern eine Terz oder Quinte höher. Spielt man z.B. nur diese Fußlagen, so hört man NIE nur den Ton, den man angeschlagen hat, sondern einen entsprechenden Sekundärton.
Daher klingt das reine Spielen mit den Aliquoten krumm und schief.

Sie dienen vielmehr dazu, den Klang "fetter" und reicher zu machen.
In der klassischen Orgel-Spielweise dienen Aliquoten dazu, um dem Spiel ein bisschen mehr Futter zu geben. Sie werden jedoch nie solo gespielt.

Der Klang wird anschließend über ein Leslie abgespielt, ein Lautsprecher, welcher sich dreht und somit einen leicht "eiernden" Klang erzeugt. Je nach Frequenz (Rotationgeschwindigkeit) nimmt dieses Pseudo-Tremolo zu oder ab.



Beim SK1 werden auf Samples zugegriffen, es steht neben der Tonewheel-Orgel eine Vox, eine Farfisa und eine klassische Pfeifenorgel zur Verfügung, nebst Presets.
Dabei greift das System auf die 2-VASE III-Engine zurück.


Hammond hat diese Instrumentengattung revolutioniert, daher bin ich mit sehr hohen Erwartungen an das Instrument gegangen. Und in der Tat überzeugen die Tonewheel-Samples und die Vox/Farfisa. Zwar hört man deutlich, dass es sich um digitale Aufnahmen handelt, über ein billiges Leslie jedoch (Nachbau) schon deutlich wärmer und Hammond-mäßiger (Boah, der Witz ist flach )

Mit einem angeklemmten Pedal macht das Spielen noch mehr Spaß.
Über einen Schalter kann man einstellen, auf welches Manual die Zugriegel wirken. Das ist etwas unkomfortabel wegen Umschalten, allerdings sehe ich das SK1 eh als ergänzende Orgel in einem bestehenden Setup. Für alle Puristen gibt es die XK3-C.

Natürlich darf auch die Percussion nicht fehlen. Auch kann der Spieler einen Overdrive, also Verzerrung, oder Effekte dem Klang beimischen.
Ein Master-EQ sorgt für Anpassung.

Die Pfeifenorgel ist die bislang beste Nachbildung auf einem digitalen Keyboard. Hier stehen Prinzipale, ein Vox Celestian, Flötenregister und eine Mixtur zur Wahl, die Hautbois (Oboe) ist ein kräftiges Register, welches mit der Trompete und Posaune vergleichbar ist,
Hier gibt es natürlich nur die Stellung An oder Aus.
Auch hier macht ein Pedal Sinn.

Fazit:
Für den Band-Keyboarder mit bestehendem Setup ist das SK1 empfohlen, sucht er eine gute Nachbildung der Hammond und möchte richtige Drawbars haben.
Zusätzliche Klänge sind eine nette Dreingabe, aber nicht Glanzleistung des Instruments.
Freunde der B3, der Vox Continental oder der Farfisa, aber auch Musiker die eine Pfeifenorgel brauchen, sollten sich das SK1 näher ansehen.
Gerade im Einsatz mit einem Gospel-Chor, bei dem Sakrale Musik mit einer Tonewheel-Orgel gemischt werden, kann das Sk1 seine Stärken voll ausspielen.
Ein Pedal anzuklemmen ist ein nettes Feature für diesen Einsatz, ist aber sonst nicht nötig.
Das SK1 ergänzt sich prächtig mit seinen Zugriegel-Sounds, hat aber im restlichen Vergleich keine Chance, einem MOTIF oder Kronos das Wasser zu reichen.


+ Typische Retro-Optik
+ Klassischer Hammond-Sound für Tonewheel
+ Vox und Farfisa samt 9 Fußlagen
+ Sakral-Orgel mit 9 Register
+ Splitbare Tastatur
+ Zuweisung der Drawbar-Settings auf Pedal usw.
+ Extra Sounds (Piano, Brass, Woodwind, Streicher)
+ 9 physikalische Zugriegel

- Extra-Sounds klingen mittelmäßig
- Nur ein Satz Drawbars, daher muss immer umgeschaltet werden, auf welches Manual das Setting angepasst werden soll
- externes Netzteil
- kleines Display
- Effekt-Sektion/ EQ im Direktzugriff