Keyboardforum by Musiker Lanze

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  1. #31
    Junior Member Avatar von Progenos
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    Mir kam gerade eben beim Hören die Erinnerung an den regnerischen Sonntagnachmittag, wo ich als 5-Jähriger, ehrlich, ich übertreibe nicht, beinahe exakt dieses "Stockhausen Klavierstück X" zum Tee bei meiner Grossmutter spielte, wohlverstanden, ohne Noten (!!!), dabei harsch unterbrochen wurde und zur Strafe keinen Kuchen bekam!
    Geändert von Progenos (09.01.2018 um 22:08 Uhr)

  2. #32
    Administrator Avatar von Handsome
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    Da hat der Sloterdijk eigentlich ganz recht: die Basis unseres (erfolgreichen) Daseins ist die Erkennung von Mustern und das Handhaben insbesondere wiedererkannter Muster.



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  3. #33
    Profi Member Avatar von Vangelisa
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    die 10Tophits der seriellen Musik als Mid-file .
    Ich glaube HaDi hatte sich verschrieben .... sollte es nicht heißen: die 10Tophits der seriellen Musik als Midlife crisis-file ?
    Dafür wäre diese Musik doch prädestiniert...... Ich kann mich aber auch irren - - -

    Kerstin

  4. #34
    Gott Avatar von HaDi
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    Es ist schon komisch, dass Musik, die eigentlich einem sehr strikten Regelwerk unterliegt, relativ oder absolut chaotisch wirkt. Dies zeigt
    ja auch, dass man durchaus bei "unbedarften" Zuhörern mit Kuchenentzug bestraft werden kann . Aber genauso war es ja auch in der
    Malerei. Die "abstrakte Malerei" verleitet doch vielfach zu dem Spruch "Na, das könnte ich aber auch. Alles nur Kleckserei". Trotzdem
    wurden diese Leute berühmt und gelten als Begründer der Moderne.

    In anderen Foren wurde ich auch schon bei Äußerungen über den "Meister" von Stockhausen-Anhängern und -Gegner angegriffen. Die einen
    behaupteten, ich hätte ihn schlichtweg nicht verstanden, die anderen halten ihn einfach für einen Spinner und einmal wurde ich hart ange-
    gangen, da wir "Setz die Segel zur Sonne" gespielt hatten (in einer gänzlich eigenen Version ). In diesem Stück "Intuitiver Musik" gibt es
    nur eine Textvorlage. Ein ehemaliger Musikstudent, der anscheinend unter Stockhausen gelitten hat (Stockhausen war ja eine zeitlang
    Professor für Komposition in Köln), warf uns vor, dass wir unsere "Intuition" von Stockhausen haben stehlen lassen. Ich fand das Stück
    eigentlich nur interessant, da man damit bei Gruppenimprovisationen das Anfangschaos (es darf jeder nur einen Ton spielen) etwas ein-
    dämmen kann und vielfach die Mitspieler dazu bewegt, auf die anderen zu hören. Meiner Meinung nach sollte man "unbefangen" an diese Musik
    herangehen, die gerade nicht "schön" sein will. Vielleicht findet man doch das ein oder andere Interessante. Ich muss sagen, dass mich
    gerade Musik, zu der ich am Anfang keinen Zugang fand, länger positiv beschäftigt hat als Musik, die einfach so "geölt" runterläuft.

    Ich kann natürlich Euere Äußerungen verstehen und habe sie eigentlich auch erwartet, aber wir mussten da einfach durch. Es wird vielleicht
    auch für den ein oder anderen wieder "erträglicher". Ich zähle mal auf Euere Toleranz und Eueren Humor.
    Geändert von HaDi (10.01.2018 um 21:11 Uhr)

  5. #35
    Gott Avatar von HaDi
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    So, Szenenwechsel, kommen wir heute zur musique concrete. Für die Einführung mache ich mirs heute mal ganz einfach, also wieder ein Ausschnitt
    aus Wikipedia:

    "Musique concrète (frz. für „konkrete Musik“) ist eine Kompositionstechnik, bei der mit aufgenommenen und auf Tonträgern gespeicherten Klängen
    komponiert wird. Diese Aufnahmen können sowohl eingespielte Instrumente als auch Alltagsgeräusche enthalten. Sie werden dann durch Montage,
    Bandschnitt, Veränderung der Bandgeschwindigkeit und Tapeloops elektronisch verfremdet. Einflüsse sind vor allem im italienischen Futurismus zu finden.

    Die Namensgebung geht auf einen Artikel des französischen Ingenieurs Pierre Schaeffer, der 1943 am französischen Rundfunk RDF für diese Zwecke
    den Club d’essai in Paris gründete, aus dem Jahr 1949 zurück. Der Begriff sollte eine Abgrenzung zur klassischen Richtung der Abstrakten Musik
    (Klassische Musik, Zwölftonmusik, Serielle Musik) sein. Nach Ansicht Schaeffers geht die Bewegung bei der klassischen Musik vom Abstrakten ins
    Konkrete (Komposition), umgekehrt verhält es sich hier: Vom Konkreten (Alltagsgeräusche) wird das Abstrakte durch Klangverfremdung geschaffen.


    Da zu dieser Zeit nur in Deutschland mit dem Tonbandgerät gearbeitet wurde, war Schaeffer zunächst auf Direktschnittaufnahmen auf Schallplatten
    beschränkt. Das Programm Études de bruits wurde 1948 erstmals ausgestrahlt, u. a. mit der Étude pour chemin de fer, wo die verschiedensten
    Geräusche von Dampflokomotiven und Eisenbahnwagen zu hören sind. Während seiner Arbeiten entwickelte Schaeffer das Modell des objet sonore,
    eines allgemeinen und abstrakten Schemas zur Klassifizierung von Klangstrukturen zwischen Einzelklang und Musikstück als Ganzem.


    Diese Musikanschauung zog einen erbitterten Disput mit Anhängern der Kölner Schule (und ferner Zweite Wiener Schule) nach sich; vor allem mit dem Komponisten
    Pierre Boulez ergaben sich Streitereien über zeitgenössische Musikästhetik. Boulez warf Schaeffer vor, eher ein Handwerker als ein Musiker zu sein, und dass seine Art,
    Musik zu erzeugen, einer „Bricolage“ (Bastelarbeit) gleiche, was Schaeffer nicht zurückwies; im Gegenteil sei „die Geschichte der Musik an sich […] eine Entwicklung
    durch Bricolage“.[1] So kam es, dass auch afrikanische Musik in seinen Werken Verwendung."

    Wer vielleicht auch bekannt ist aus dem Bereich der musique concrete ist Pierre Henry, der letztes Jahr gestorben ist.

    https://www.arte.tv/de/videos/077117...n-pierre-henry

    Noch ein kleiner Hinweis für die "Rocker" des Forums. Pierre Henry schnappte sich die Bänder der Rockgruppe "Spooky tooth" und mischte seine Geräusche
    dazu. Die Platte ist zwar ziemlich bekannt geworden, die Spooky tooth waren aber nicht besonders glücklich über diesen Übergriff von Pierre Henry:





    Geändert von HaDi (11.01.2018 um 19:14 Uhr)

  6. #36
    Gott Avatar von HaDi
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    Hier noch ein kurzer Einschub, der zwar zeitlich nicht ganz ins Schema passt, dafür aber thematisch. In Anlehnung an den Begriff musique
    concrete entwickelte Helmut Lachenmann seine musique concrete instrumentale. Hier werden Geräusche nicht mit Hilfe von Tonband, Computer
    etc. in die Musik eingebaut, sondern "normale" Instrumente werden zweckentfremdet, d.h. man kratzt und trommelt dann auf Geigen etc.

    Aus der Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" (inhaltlich geht es hier um die Auseinandersetzung mit der RAF) ein Ausschnitt:


  7. #37
    Junior Member Avatar von Progenos
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    Hi HaDi

    vielen Dank für den Aufwand und die viele Arbeit, welche du hier mit den interessanten Informationen für uns hast und machst!
    Da mir das erforderliche Kunstverständnis für solche Musik resp. Aufführungen schlicht fehlt, unterlasse ich es, hierzu ggf. unangebrachte Kommentare abzugeben - man möge mir meine Unwissenheit verzeihen. Interessant finde ich deine Ausführungen aber auf jeden Fall.

    Gruss
    Andreas

  8. #38
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Progenos Beitrag anzeigen
    Da mir das erforderliche Kunstverständnis für solche Musik resp. Aufführungen schlicht fehlt, unterlasse ich es, hierzu ggf. unangebrachte Kommentare abzugeben.
    Ne, ne, Ihr braucht Euch nicht zurück zu halten. "Ist das Kunst oder kann das hier weg" - ist als Frage immer erlaubt . Meine Frau hat auch schon geschmunzelt, als ich ihr sagte, dass ich was
    über "Neue Musik" schreibe, ja, ja, der Herr Oberlehrer .

    Wahrscheinlich haben aber auch einige Musiker aus anderen Bereichen zumindest Ideen aus der Avantgarde übernommen und etwas schmackhafter zubereitet. Ich könnte mit gut vorstellen,
    dass z.B. Pink Floyd sich mit musique concrete auseinander gesetzt haben und dann folgendes daraus gemacht haben:



    Dass die Beatles sogar einen Briefwechsel mit Karlheinz Stockhausen hatten und ihn auf dem cover zu Sergeant Pepper verewigten, ist sicher bekannt.

    http://www.stockhausen.org/beatles_khs.html

    In "Strawberry fields forever" verwendeten sie auch die "Tape loop-Technik", die gerade von Stockhausen, Eimert u.a. mehr oder weniger erfunden worden
    ist. Darum geht's auch bei meinem nächsten Beitrag.

  9. #39
    Gott Avatar von HaDi
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    Neues Kapitel: Elektronische Musik (später vielfach auch als elektroakustische Musik bezeichnet)

    Wieder zunächst ein Auszug aus Wikipedia:

    "Als Werner Meyer-Eppler für eine bestimmte Art des Komponierens mit technischen Hilfsmitteln den Terminus „elektronische Musik“ vorschlug, ging es ihm dabei vor allem um eine Abgrenzung gegenüber den bisherigen Entwicklungen der elektrischen Klangerzeugung, der elektrischen Musik, zu der er auch die Musique concrète und die Music for Tape zählte.

    Der Physiker Werner Meyer-Eppler, der Tonmeister Robert Beyer, der Techniker Fritz Enkel und der Komponist Herbert Eimert gründeten 1951 mit Hilfe des NWDR das Kölner Studio für Elektronische Musik. Das erste öffentliche Konzert fand dann am 26. Mai 1953 auf dem Kölner „Neuen Musikfest 1953“ statt. Im Unterschied zur Musique concrète wurde hier versucht, elektronisch erzeugte Töne nach physikalischen Regeln wie der Fourier-Analyse wissenschaftlich zu erfassen. Die Klangfarbe, als Resultat der Überlagerung mehrerer Sinustöne, und die Parameter Frequenz, Amplitude und Dauer wurden dabei ausführlich analysiert.
    Zunächst ging es Eimert und Beyer (nur) um die differenzierte Gestaltung von Klangfarben. Erst eine zweite Generation junger Komponisten, unter ihnen Henri Pousseur, Karel Goeyvaerts und Karlheinz Stockhausen, arbeitete dann ab 1953 vor allem an der konsequenten Durchführung serieller Kompositionsmethoden mit elektronischen Mitteln. Signifikant für diese frühe musikalische Konzeption des Kölner Studios ist die ausschließliche Verwendung „synthetisch“ hergestellter Klänge sowie deren direkte Verarbeitung und Speicherung auf Magnettonband und schließlich die Wiedergabe über Lautsprecher. Dadurch wurden (zumindest theoretisch) zwei musikhistorisch revolutionäre Dinge erreicht: zunächst die vollständige Kontrolle über den Parameter Klangfarbe, der bisher für die Komponisten immer unwägbar geblieben war und nun ebenfalls der seriellen Organisationsmethode unterworfen werden konnte. Zweitens wurde der Interpret als vermittelnde – und damit die kompositorische Absicht potentiell verfälschende – Instanz ausgeschaltet. Zum ersten Mal in der Geschichte der abendländischen Musik schien es den Komponisten mit Werken wie Stockhausens Studie II möglich, ihre Ideen „unvermittelt“ an den Hörer weiterzugeben. Die jahrhundertealten Versuche, die musikalische Absicht immer präziser durch Notenschrift zu fixieren, waren damit überholt."



    Wer sich für das Studio in Köln interessiert, hier noch ein Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Studio...ik_(K%C3%B6ln)

    Bis vor kurzem konnte man auch das Studio besuchen und sich die alte Technik sogar vorführen lassen. Balou war glaube ich auch schon dort .

    Ich hatte im Forum auch schon mal über einen Besuch im Kölner Studio berichtet: http://www.technicsforum.de/showthre...-Musik-des-WDR
    Geändert von HaDi (14.01.2018 um 15:28 Uhr)

  10. #40
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    Hi HaDi,

    hm, und ich hegte bereits die Hoffnung, dass es so langsam erträglicher wird!

    Gruss
    Andreas

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