Keyboardforum by Musiker Lanze

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  1. #11
    Senior Member Avatar von Nordlicht
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    Die „Erklärungen“ in Wikipedia zum „Tristan-Akkord“ haben fast schon etwas „Loriot-haftes“ an sich, in sofern ist der Verweis auf Kerkelings „Hurz“ einfach brillant!

    Zitat:
    Der Akkord entzieht sich wegen seiner harmonischen Undurchsichtigkeit bis heute einer einfachen bzw. allgemein akzeptierten Deutung. Es hat immer wieder sehr unterschiedliche Versuche gegeben, ihn funktionsharmonisch zu interpretieren. Seine Vieldeutigkeit ist zudem typisch für die extrem chromatische und tonal unstete Harmonik der Tristan-Partitur, in der Ernst Kurth eine Krise der romantischen Harmonik sah.

    Dies zeigt mal wieder, wie weit sich der Mensch vom Ursprünglichen, Einfachen, Natürlichen entfernt hat. Alles muss erklärt, gedeutet, interpretiert werden. Die Welt ist verkopft und verquast. Ein „seltsamer“ Akkord, der nicht ins angelernte oder traditionelle Schema passt, stellt eine „Krise der (...) Harmonik“ dar – das ist doch haarsträubend und hochgradig absurd.

    Vielleicht hat Wagner damals einfach nur NACH GEFÜHL gespielt und das notiert, was ihm in diesem Moment in den Sinn kam. Letztlich wird nur auf diese Weise Neues geschaffen und nicht dadurch, dass man Vorhandenes, Bekanntes oder Vertrautes reproduziert und als Maßstab definiert. Musik, die „am Reißbrett“ entsteht, wird zwangsläufig emotionsarm sein.

    Soweit mein Senf zum Wochenende

  2. #12
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Progenos Beitrag anzeigen
    Um nicht von allem Anfang an den Faden zu verlieren, wäre es (für mich) interessant zu erfahren, lieber HaDi, wohin „diese Reise“ hier gehen wird, quasi, ob du einen bestimmten Weg einschlagen wirst (du hast zwar eine Reihe Themen bereits aufgeführt), resp. was die vorgesehenen Themen in welcher Reihenfolge sein werden.
    Eigentlich wollte ich in der geschichtlichen Reihenfolge vorgehen. Wobei ich mir natürlich bewußt bin, dass manche Strömungen, Richtungen parallel stattfanden (z.B. 12-Tontechnik, Futuristen).
    Da ich ja immer auch gerne über Tellerränder schaue, hätte ich auch noch einiges zu Aleatorik (John Cage), Minimalisten (Terry Riley, La Monte Young, Steve Reich etc.) und asiatischer Avantgarde
    (Toru Takemitsu) zu schreiben. Falls anderes gewünscht ist, schreibt einfach. Es muss ja nicht wieder in unsere "Ist der Plattenspieler ein Musikinstrument"-Diskussion übergehen (obwohl ich die
    eigentlich sehr interessant fand )

    PS: Hier ein link zu unserer "Plattenspielerdiskussiom": http://www.technicsforum.de/showthre...Plattenspieler

    Viele Grüße
    HaDi
    Geändert von HaDi (06.01.2018 um 11:31 Uhr)

  3. #13
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Nordlicht Beitrag anzeigen
    Dies zeigt mal wieder, wie weit sich der Mensch vom Ursprünglichen, Einfachen, Natürlichen entfernt hat. Alles muss erklärt, gedeutet, interpretiert werden. Die Welt ist verkopft und verquast. Ein „seltsamer“ Akkord, der nicht ins angelernte oder traditionelle Schema passt, stellt eine „Krise der (...) Harmonik“ dar – das ist doch haarsträubend und hochgradig absurd.

    Vielleicht hat Wagner damals einfach nur NACH GEFÜHL gespielt und das notiert, was ihm in diesem Moment in den Sinn kam. Letztlich wird nur auf diese Weise Neues geschaffen und nicht dadurch, dass man Vorhandenes, Bekanntes oder Vertrautes reproduziert und als Maßstab definiert. Musik, die „am Reißbrett“ entsteht, wird zwangsläufig emotionsarm sein. Soweit mein Senf zum Wochenende
    Danke für Deinen Senf - ich glaube auch, dass Du Recht hast - deshalb der "Hurz"-Faktor

  4. #14
    Junior Member Avatar von Progenos
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    Zitat Zitat von Nordlicht Beitrag anzeigen
    Letztlich wird nur auf diese Weise Neues geschaffen und nicht dadurch, dass man Vorhandenes, Bekanntes oder Vertrautes reproduziert und als Maßstab definiert. Musik, die „am Reißbrett“ entsteht, wird zwangsläufig emotionsarm sein.
    "Senf", dem ich vollkommen zustimmen kann

    Gruss
    Andreas

  5. #15
    Junior Member Avatar von Progenos
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    Zitat Zitat von HaDi Beitrag anzeigen
    Eigentlich wollte ich in der geschichtlichen Reihenfolge vorgehen. Wobei ich mir natürlich bewußt bin, dass manche Strömungen, Richtungen parallel stattfanden (z.B. 12-Tontechnik, Futuristen).
    Da ich ja immer auch gerne über Tellerränder schaue, hätte ich auch noch einiges zu Aleatorik (John Cage), Minimalisten (Terry Riley, La Monte Young, Steve Reich etc.) und asiatischer Avantgarde
    (Toru Takemitsu) zu schreiben.
    Danke HaDi. Obwohl ich offen gestanden ebenso viel Ahnung von dieser Materie habe, wie unser "Chef" Lanze, finde ich deinen Vorschlag Klasse und bin sicher, dass ich dabei sehr viel, mir bisher Unbekanntes, kennen lernen darf!

    Gruss
    Andreas

  6. #16
    Gott Avatar von HaDi
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    Ich versuchs auch nicht zu bierernst rüberzubringen

  7. #17
    Gott Avatar von HaDi
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    So, weiter im Text. So ziemlich zeitgleich haben die Futuristen in Italien und die 2.Wiener Schule versucht Neuland in der Musik zu entdecken. Die Futuristen
    waren die kernigere Truppe, die sich auch bei Konzerten handfeste Saalschlachten mit ihren Gegenern geliefert haben sollen. Was war nun die Idee dieser Gruppe
    um Marinetti. Hierzu ein kurzer Auszug aus Wikipeadia:

    "Der Futurismus war eine aus Italien stammende avantgardistische Kunstbewegung, die aufgrund des breit gefächerten Spektrums den Anspruch erhob, eine neue Kultur zu begründen.

    Der Einfluss des Futurismus geht wesentlich auf seinen Gründer Filippo Tommaso Marinetti und dessen erstes futuristisches Manifest von 1909 zurück."

    Neben Marinetti war es vor allem Luigi Russolo, der im Bereich der Musik das Manifest "Die Kunst der Geräusche" verfasste. Es ging um die radikale Abkehr von der bisherigen Musik hin zu
    einer Geräuschmusik. So wurde ein Geräuschorchester mit 6 Geräuschfamilien entworfen:
    1. Dröhnen Donnern Knallen Prasseln Aufprallen Tosen
    2. Pfeiffen Zischen Schnauben
    3 Flüstern Murmeln Brummen Rauschen Brodeln
    4. Knistern Knarren Rascheln Summen Klirren Reiben
    5. Schlaggeräusche auf Metall Holz Leder Stein Terrakotta etc.

    Jetzt war natürlich zur damaligen Zeit das Problem, wie erzeugt man diese Geräusche? Es gab ja weder Sampler noch Tonbandgeräte (die konnten erst später in der musique
    concrete verwendet werden). Man entwarf meist riesige, mechanische Kisten, die sogenannten "Geräuschtöner" (Intonarumori).

    https://upload.wikimedia.org/wikiped...tonorumori.jpg

    Wie klingen nun diese Gerätschaften:



    Kennt vielleicht jemand die britische Popgruppe "Art of noise", die ihren Namen Rusollos Manifest verdanken und eine der ersten
    Gruppen waren, die ein Fairlight CMI benutzten.



    Vielleicht haben auch die "Einstürzenden Neubauten" mal Russlos Manifest gelesen ;-). In Verruf kamen die Futuristen auch wegen ihrer
    Verherrlichung des Krieges (als grandioses musikalisches Ereignis) und ihrer Nähe zum Faschismus.

    Wer sich näher mit diesem Thema auseinandersetzen will, dem sei das Buch mit CD "Die Kunst der Geräusche" im Schott-Verlag empfohlen.

  8. #18
    Administrator Avatar von Handsome
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    „Moment of Love“ hab ich oft gehört, in verschiedenen Fassungen - wußte allerdings nicht, dass das Original von besagter Gruppe ist.
    Klang und klingt für mich einfach erfrischend anders - hat aber Rhythmus und ist harmonisch...wieder was gelernt.


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  9. #19
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    BTW Geräuschtöner: analoger gehts nimmer


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  10. #20
    Junior Member Avatar von Progenos
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    Sehr interessant, danke HaDi. Tja, die Kunst!? Zu den klingenden Gerätschaften kann man wohl nichts dazu sagen, ohne den "Schallplattenspielerdiskussionseffekt" auszulösen. ;-)

    "Moment of Love" fand ich schon immer irgendwie genial.

    Bin gespannt, wie es weiter geht!

    Gruss
    Andreas

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