Keyboardforum by Musiker Lanze

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  1. #81
    Gott Avatar von HaDi
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    Hier noch etwas mehr zum Thema John Cage und die Stille:

    http://www.sterneck.net/john-cage/sterneck/index.php


    Geändert von HaDi (21.01.2018 um 22:36 Uhr)

  2. #82
    Gott Avatar von HaDi
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    So, jetzt mal weiter im Text. Zwar könnte man noch einiges zu Cage und Stockhausen sagen, die ja mal
    aufeinenader getroffen sind. So hat Stockhausen durch Mary Bauermeister und die Fluxusbewegung auch
    seinen Habitus als "Imperator der Klänge", der alles genau bestimmen wollte, kurzzeitig aufgegeben und
    auch Freiraum für Intuitives gelassen (2 Zyklen Intuitive Musik). John Cage war ja schon immer dem "Absichts-
    losen" verpflichtet und bat die Musiker (siehe seine Rede oben) die Klänge einfach geschehen lassen.

    Weiter im Text. Nun zu den Spetralisten, die auch einen guten Ausblick auf die Minimalisten geben können.
    Hier mal wieder Wikipedia zum Thema:

    Die Spektralmusik, bzw. der Spektralismus (von Musique spectrale), auch Neue Konsonanz, ist eine Musikrichtung
    der modernen und zeitgenössischen Avantgarde, die seit den frühen 1970er Jahren populär ist. Der Terminus spectral music
    wurde von Hugues Dufourt 1979 geprägt. Entwickelt wurden die zentralen Techniken vom Ensemble l'Itinéraire und dem
    IRCAM, Paris. Der Spektralismus wird in ästhetischer Hinsicht eher als Stil und Einstellung als als Sammlung von Techniken
    oder etwa Methode definiert. Eine der zentralen Thesen des Spektralismus ist: "Music is ultimately sound evolving in time".
    Ein Vorschlag zur Redefinition des Begriffs 2003 sollte desweiteren jede Auffassung berücksichtigen, in der Klang oder Timbre
    möglichst durchweg als Grundlage musikalischer Entscheidungen und Strukturen vereinbart ist.Neben der Klangfarbe ist die
    Einheitlichkeit der Komposition von besonderer Bedeutung. Musikalische Entscheidungen werden grundsätzlich mit Hinsicht
    auf die gesamte musikalische Gestalt getroffen.


    Im Zentrum des Spektralismus stehen die (vertikale) Klang- oder eben Spektral- oder auch Fourieranalyse (FFT) und
    Re- und Dekonstruktionen der Obertonreihen sowie deren anschließende Übertragung auf Orchesterinstrumente.
    Bei seinem Hauptvertreter Gérard Grisey steht der formalisierte Spektralismus dem historisierten Spektralismu
    s gegenüber. Spektralisten lehnen oft postmoderne Entwicklungen in der Musik ab, die Geschichte der Moderne
    biete bereits genügend Material. Deshalb wird der Spektralismus zuweilen als „letzte Strömung modernistischer
    Tradition“ verhandelt. Etwa seit dem Millennium ist die Rede von zwei Generationen von SpektralmusikkomponistInnen,
    die zweite, oft neoklassizistische Generation, integriert auch Techniken der „Mischung von Stilen“, dabei wird bereits in
    der Begriffswahl zumeist behutsam darauf geachtet, auch theoretische Einlassungen mit Begrifflichkeiten des
    Posthistoire zu vermeiden.



    Geändert von HaDi (23.01.2018 um 16:27 Uhr)

  3. #83
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    Hallo HaDi,
    wir sind uns ja darüber einig, dass dies nichts für einen erbaulichen Konzertabend ist. Doch möchte ich mal anmerken, dass diese Art von Klängen gar nicht sooo weit von uns entfernt ist.
    Man muss sich nur mal Filmmusik vorstellen bei Krimis oder auch Gruselfilmen, da haben wir dies schon gehört. Keine Ironie!

    Für Kerstin noch meine Anmerkung, dass das Pianostück von Cage "In a Landscape" vom Spieltechnischen keine großen Anforderungen stellt. Es sind fast eher akkordbasierte einfache Tonfolgen, die zudem zahlreiche Doppelungen aufweisen. Es ist ein einfaches Hinperlen ohne jegliche Rhythmik und Dynamik. Da sind einfachste Etüden von Czerny wesentlich anspruchsvoller.
    Ein wenig wehrt sich mein Innerstes gegen eine künstliche Überhöhung.

    Eigentlich machte Harpeling die Thematik in seiner Überspitzung deutlich.
    Man produziert etwas für ein Publikum, dass schon alles gehört hat. Ich sage mal etwas böse, man sonnt sich in dem Bewusstsein anderen in seinem Kunstverständnis voraus zu sein. Die einzelne Dame die völlig verständlich ihr Unverständnis einräumte, wurde sofort mit der Bemerkung niedergemacht, dass doch die Künstler nichts dafür können, wenn sich diese anspruchsvolle Musik sich nicht ihr erschließt, übersetzt, dass sie zu blöd dafür ist.

    Das lebt von der Provokation und davon, dass niemand sich erhebt und seine Meinung äußert. HaDi, du magst mir bitte verzeihen. Denn was da zu hören ist, erscheint mir ein wenig langweilig und nicht über längere Zeit auszuhalten. Allerdings, und das mag versöhnen, ist der Begriff der Kunst nur schwer definierbar.

    Ein Abstecher zur modernen Kunst lässt Parallelen erkennen. Ephahim Kishon, ein ausgebildeter Bildhauer und als Professor in Tel Aviv neben seiner satirisch, schriftstellerischen Arbeit tätig, wehrte sich in seinem Buch "Picassos späte Rache" gegen den hochtrabenden Anspruch einiger moderner Künstler. Ausgangspunkt war das Testament Picassos, dort hatte er dargestellt, dass nichts an seinen Werken sei, woran ich jedoch selbst heute Zweifel hege. So schlecht ist es nicht. Er schrieb, dass er nie hinter diesen Werken stand, diese jedoch schnell fertigen konnte und horrende Summen bei Auktionen erzielbar waren. Seine Familienangehörigen hat er niemals abstrakt porträtiert.
    Alles gipfelte in einer Kunstausstellung der Moderne. Dort gelang es ihm ein Toilettenbecken zu platzieren, über dem ein Spülkasten angebracht war. Dies bemerkte niemand. Kunstkritiker schreiben sich die Finger wund, wie hoch die Qualität der Aussage des unbekannten Künstlers sei.

    Wie bei Hans Christian Andersen sagte dann der kleine Junge zu des Kaisers neuen Kleidern, "Mami, der Kaiser ist ja nackt!" So fein sollte das Gewebe sein, dass es nur die Klugen erkennen können.

    Parallelen sind oft nicht zufällig.
    Geändert von Lutz (23.01.2018 um 19:23 Uhr)
    Gruß Lutz

  4. #84
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    Zitat Zitat von HaDi Beitrag anzeigen
    Keine Ursache, mache ich doch gerne. Kleine Denksportaufgabe zwischendurch. Hat jemand eine Idee warum es genau 4'33'' sein sollen?
    (Tipp: Umrechnen in min, dann *(-1) und dann überlegen, ob einem das bekannt vorkommt)

    Jetzt muss ich allerdings einschreiten, denn man ist heute weiter dran, nämlich bei −273,15 °C. Traugott umschrieb es mit "fast".
    Warum man den absoluten Nullpunkt nicht erreichen kann, ist aus der Quantenmechanik begründbar. Die Nullenergie ist nicht reproduzierbar.
    Die Forschungen in diesem Bereich sind sehr paraxisorientiert im Bereich der Suprafluität. Experimente gibt es dazu auf der ESS.
    Geändert von Lutz (23.01.2018 um 19:52 Uhr)
    Gruß Lutz

  5. #85
    Gott Avatar von HaDi
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    Ich würde es eher wie John Cage halten, der einmal auf die Frage eines Reporters "Halten Sie das für Musik, was Sie da machen?"
    antwortete "Wenn Sie das nicht für Musik halten, dann nennen Sie es eben anders".

    Das "In a landscape" nicht besonders schwer zu spielen ist, kann ich gut nachvollziehen (habe übrigens die Noten). Aber, dass man Musik
    als Leistungssport aufziehen soll, da erhebe ich doch Einspruch Euer Ehren. Natürlich ist das Stück keine Herausforderung für jemanden, der
    Chopin mit links spielt. Lieber Lutz, ich will Dir ja nicht in die Parade fahren und weiß Dein Eintreten für die "wa(h)re Kunst" zu schätzen,
    aber wenn Dir das hier zu viel wird, musst Du ja nicht weiter lesen (übrigens ein Tipp von Dir hier im Forum). Wir wollen doch nicht die
    Plattenspielerdiskussion neu aufleben lassen.

    Mal eine Frage in die Runde: Soll ich weitermachen oder reicht's?

  6. #86
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Warum man den absoluten Nullpunkt nicht erreichen kann, ist aus der Quantenmechanik begründbar.
    Das würde ich aber gerne mal erklärt bekommen. Ich vermute als "Unwissender" mal, dass das vielleicht etwas mit Quantenfluktuationen zu tun haben könnte.

  7. #87
    Administrator Avatar von Handsome
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    Standard Kurze Geschichte der "Neuen" Musik des 20/21.Jahrhunderts

    Hallo, HaDi - erstmal bitte, bitte mach weiter - ich finde es super, Deine Beiträge hier zu lesen und die Beispiele zu hören.
    Das ist eben keine Genuss-Musik und reflektiert viele der Zeitströmungen zu den Schaffenszeiten. Auch in der Literatur ist das ja erkennbar und in gewisser Weise vergleichbar: z. B. Liebesroman „Goldenes Herz“ i. Vgl. zu J.P. Sartre „Huis Clos“
    Quantenfluktuationen sind nicht ursächlich für die Betrachtungen zum absoluten Nullpunkt (der ist derzeit auch immer noch „nur“ ein rechnerischer Wert). Sie können aber nur bei solch tiefen Temperaturen identifiziert werden. Letztlich ergibt selbst die Quantentheorie, dass Materie sogar beim absoluten Nullpunkt auf atomarer Ebene noch thermische Energie besitzt und deswegen Atome mal eben die Plätze tauschen, also fluktuieren.
    Auch ein spannendes Thema, aber leider auch sehr „unscharf“ und manchmal spinnert, weil es viele gibt, die Quantenmechanik deterministisch verstehen.
    Da sind Deine Beiträge viel konkreter und anschaulicher...und es gibt nicht nur vielleicht was auf die Ohren.
    Cheers out of Hemer
    Traugott


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  8. #88
    Profi Member Avatar von Vangelisa
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    moin Lutz, danke für deine Anmerkung . Mein Kommentar bezieht sich nicht auf "in a landscape" , sondern auf das Spiel auf dem päparierten Klavier . Da ist es für mich schwer nachvollziehbar , ein Notenblatt vor mir zu haben und damit hauptsächlich Percussion zu erzeugen. Ein drumpattern auf einem entsprechenden drumkit auf Tasten zu spielen ist für mich ok, das tue ich aber nicht nach Noten, sondern Rhytmusgefühl. Ups....jetzt aber bitte keine lange Diskussion über Noten......
    Hadi , von mir aus gern weitermachen , ich muß mir ja nicht alles in epischer Breite angucken. Ich finde die Diskussion über das Thema sehr erfrischend ( und wesentlich leichter zu verdauen als die eigentliche Musik..... )
    Für mich am abschreckendsten war bis jetzt das Spiel auf der präparierten Geige.....
    Vortex Temporum hört sich für mich an wie Filmmusik, da ist ja alles erlaubt (und auch nötig)

    Kerstin
    Geändert von Vangelisa (24.01.2018 um 01:23 Uhr)

  9. #89
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    Zitat Zitat von HaDi Beitrag anzeigen
    Das würde ich aber gerne mal erklärt bekommen. Ich vermute als "Unwissender" mal, dass das vielleicht etwas mit Quantenfluktuationen zu tun haben könnte.

    Hallo HaDi,
    als absoluter Laie auf dem Gebiet habe ich mich nur daran erinnert, dass sich am absoluten Nullpunkt alle physikalischen Systeme im Zustand niedrigster Energie befinden, dem quantenmechanischen Grundzustand, der jedoch praktisch nie erreicht wird.
    Ich muss ansonsten weitere, tiefer gehende Erläuterungen schuldig bleiben. Ich vermute, dass ich jetzt bereits den absoluten Nullpunkt meiner Forschungsenergie erreicht haben könnte.
    Sonst müsste ich wieder weiter in die Materie einsteigen müssen, mein Fachgebiet war das nicht. In meiner Nebenbeschäftigung habe ich mich an der FU Berlin nur mit mikrobiologischen Themen befasst.
    Gruß Lutz

  10. #90
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    Zitat Zitat von Vangelisa Beitrag anzeigen
    moin Lutz, danke für deine Anmerkung . Mein Kommentar bezieht sich nicht auf "in a landscape" , sondern auf das Spiel auf dem päparierten Klavier . Da ist es für mich schwer nachvollziehbar , ein Notenblatt vor mir zu haben und damit hauptsächlich Percussion zu erzeugen. Ein drumpattern auf einem entsprechenden drumkit auf Tasten zu spielen ist für mich ok, das tue ich aber nicht nach Noten, sondern Rhytmusgefühl.
    Kerstin
    Hallo Kerstin,
    versprochen keine Diskussion um Noten! Es ist mir auch völlig egal, wie wir als Laien Musik machen. Nur an den Beispielen wird deutlich, dass niemand dort ohne Noten spielt, weil man sich das überhaupt nicht merken könnte.
    Das Spiel auf dem vernagelten Flügel sehe ich auch eher als Provokation oder als eine Performance.

    Beim 4'33''wäre ich als Zuhörer allerdings wieder aufgestanden, denn das kann ich zuhause besser. Wobei ich das allerdings auch als Ironie an einem Publikum verstehe, das aufgrund der eigenen zugeschriebenen intellektuellen Überhöhung, alles mit sich machen lässt, und es gerade verdeutlicht, wie dies dann über eine künstlerische Leistung dominiert.

    Nur eine kleine Randbemerkung zu deiner Anmerkung zum rhythmischen Spiel:

    Unser Nachbar ist Paukist an der Deutschen Oper Berlin. Dort spielen die Paukisten alles nach Noten, was man sich fast gar nicht vorstellen kann hinsichtlich der Notierung. Aber dies ist durch eine spezielle international gültige Notenschrift genau reproduzierbar.

    Ein anderes Beispiel ist "Voice of Germany". Der Schlagzeuger spielt alles dort nach Noten. Ich war mehrmals dort. Im Bereich der Pop-Rockmusik hat das aber nicht die Länge wie in der klassischen Musik, da es Wiederholungen gibt.

    Wir als Amateure können das machen wie man will. Ein Berufsmusiker als Profi nicht.
    Gruß Lutz

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