Keyboardforum by Musiker Lanze

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  1. #1
    Gott Avatar von HaDi
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    Standard France Gall gestorben

    Hier zum Gedenken an die verstorbene France Gall:



    Wenn ich das so höre, frage ich mich, wieso der meiste deutsche Schlager so dröge daher kommt?
    Geändert von HaDi (08.01.2018 um 11:20 Uhr)

  2. #2
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    Es gibt aber auch sehr schöne Melodien und Texte, wie den Titel von Christian Bruhn: Marmor, Stein und Eisen bricht. (Muss brechen eigentlich heißen).
    Besonders hat es mir die eingebrachte Textzeile von Drafi Deutscher angetan: dam dam. Er steht zwar als Texter dabei, doch das war tatsächlich sein Beitrag. Christian Bruhn spielte ihm die Meldodie am Flügel vor. Einen Teil hatte er bereits, erfragte Drafi nach einem weiteren Text und er sang dann spontan die Wörter "dam, dam". Einfach in seiner Einfachheit genial.
    Da ist noch eine Aussage dahinter.
    Bei den Melodien kannst du ansonsten vieles heute vergessen. Es fehlt die Melodie, stattdessen hält man sich an einem Einfall fest und wiederholt ihn, bis man es nicht mehr ertragen kann.
    Da bleibt dann nur noch das Chanson. Als Beispiel sehe ich hier Reinhard Mey, unseren Nachbarn. Der Mann setzt alles aus seinem persönlichen Erleben um, in welchem ich vieles wiedererkenne.
    Wobei man aber gerechterweise zwischen der Musik für vereinfachte Persönlichkeiten und einem anspruchsvollerem Publikum wie bei Silbermond etc. unterscheiden kann.
    Dafür allerdings stellen die Midifileersteller nix her, wäre auch zu kompliziert zu singen.
    Gruß Lutz

  3. #3
    King Avatar von Snoopy
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    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    ...Als Beispiel sehe ich hier Reinhard Mey, unseren Nachbarn. Der Mann setzt alles aus seinem persönlichen Erleben um...
    Stimmt wohl,

    bei "Über den Wolken", "Startbahn 03" meint er die damalige 03 ( mittlerweile RWY 02 ) in Wilhelmshaven / Mariensiel.

    Eine Kopie seiner Urkunde hing da mal auf dem Tower ( ich weiß nicht, ob die da heute noch hängt, war schon über 10 Jahre nicht mehr dort ).

    Und der Text des Liedchens "Einen Antrag auf Erteilung..." ist echt wie aus dem Leben gegriffen, und das schon vor 40 Jahren
    Gruß aus Ostfriesland

    Holger
    - - - - - - - - - - - -
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  4. #4
    Elite Member Avatar von Maschi999
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    Ja so ein Dam Dam...da steckt schon wirklich viel dahinter.
    Vor allem die Genialität, mit welchen einfachen Mitteln man doch die Menschheit verdummen kann

  5. #5
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    Zitat Zitat von Snoopy Beitrag anzeigen
    bei "Über den Wolken", "Startbahn 03" meint er die damalige 03 ( mittlerweile RWY 02 ) in Wilhelmshaven / Mariensiel.

    Eine Kopie seiner Urkunde hing da mal auf dem Tower ( ich weiß nicht, ob die da heute noch hängt, war schon über 10 Jahre nicht mehr dort ).

    Und der Text des Liedchens "Einen Antrag auf Erteilung..." ist echt wie aus dem Leben gegriffen, und das schon vor 40 Jahren
    Reinhard Mey ist wirklich genial. Danke für den Hinweis mit der Startbahn. Das wusste ich nicht, ich habe darüber gegrübelt, da es in Berlin Tegel nur zwei Startbahnen gibt. Später gab er seinen Flugschein ab, da er sich zu alt fühlte.
    Hinsichtlich des Antragsformulars meinte er das Rathaus Reinickendorf in unserem Bezirk, das über einen Altbau und einen Neubau verfügt, wodurch das Gebäude so groß ist, dass jedes Jahr in einigen Ecken Knochenreste gefunden werden, von Leuten, die nicht mehr herausfanden.

    Er ist ein völlig bescheidener Mann, dem man sein Können nicht ansieht. Er holte früher immer seine Kinder von der Schule ab, sodass man sich kannte.
    Gruß Lutz

  6. #6
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    Hallo HaDi,
    ich war leider etwas abgedriftet, doch deine Frage nach dem Warum ist es wert zu diskutieren.

    Es fiel mir immer schon auf, dass sich die französische Popmusik ganz wesentlich von unserer unterscheidet. Und hierbei kann man interessante Unterscheidungen bei den Sängerinnen und Sängern feststellen. Die Damen singen entweder immer locker ein Stück hinunter oder es ist der Bereich Chanson, so wie man es von Edith Piaff kennt. Bei den Männern ist alles oft viel rockiger oder aber auch wiederum im Chanson basierend.
    In Deutschland die die französische Popmusik fast gar nicht bekannt.

    Dies liegt auch an der Sprache. Ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass die Sprache kaum verständlich ist, obwohl ich recht gut französisch spreche. Beruhigt war ich ein wenig, als ich unseren französischen Club-Gastronomen nach einer Textpassage fragte und er nur die Achseln zuckte. Er meinte, dass auch manchmal irgendwelche Kunstwörter verwendet werden. Als Beispiel nannte er Nathalie von Gilbert Bécaud. Irgendwann löst sich die Verständlichkeit auf.

    Im Gegensatz zu Deutschland findet man dort noch mehr Leichtigkeit, auch in den Texten. Bohlen sagte mal, obwohl er eine ganze Menge heute in deutsch produziert, dass man sich bei einigen hintereinander gehörten Titeln in eine psychotherapeutische Behandlung begeben sollte, da man in Gefahr ist, einer Depression anheimzufallen.

    Bei Reinhard Mey, den ich schon genannt hatte wird der Unterschied sehr deutlich. Denn er lebte nach dem Besuch unseres französischen Gymnasiums in Frankreich, seine erste Frau war Französin. Er hatte völlig den französischen Stil übernommen und hat ihn auch nie verloren. Alle seine Lieder sind sehr textlastig und haben den Charakter eines Chansons.

    Jedes Jahr tritt er nach wie vor mit neuen Liedern auf, die sich eigentlich nie verändert haben. Einflüsse aus dem Countrybereich sind unverkennbar.
    Seine Stimme und die Art seiner Artikulation lassen ihn als frankophilen Sänger erkennen, der die Verbindung zur französischen Musik verdeutlicht.

    In Frankreich gibt es auch noch etwas, was bei uns undenkbar wäre, der Staat schreibt den Rundfunksendern einen mehrheitlichen Anteil an französischsprachiger Musik vor.
    Wer versteht überhaupt die Texte, der englischsprachigen Popmusik? Oft sind die Texte so dürftig, dass Drafi Deutscher für einen großen Poeten gehalten werden muss.
    Über Ballermannlieder muss man sich allerdings keine Gedanken machen. Da muss das Bier reichlich fließen, um so richtig daran Gefallen zu haben.
    Gruß Lutz

  7. #7
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Maschi999 Beitrag anzeigen
    Ja so ein Dam Dam...da steckt schon wirklich viel dahinter.
    Vielleicht war aber auch dieses "Dam Dam" als das "Hurz" des Schlagers geplant und keiner hat es gemerkt .

  8. #8
    Gott Avatar von HaDi
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    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Bei Reinhard Mey, den ich schon genannt hatte wird der Unterschied sehr deutlich. Denn er lebte nach dem Besuch unseres französischen Gymnasiums in Frankreich, seine erste Frau war Französin. Er hatte völlig den französischen Stil übernommen und hat ihn auch nie verloren. Alle seine Lieder sind sehr textlastig und haben den Charakter eines Chansons.
    Lieber Lutz,

    da hast Du doch ein wunderbares Beispiel, dass man auch in deutscher Sprache aussagestarke Texte machen kann, die auch singbar sind. Aber der deutsche Durchschnittsgeschmack scheint auch mehr
    "rückwärtsgewandt" zu sein. Ein deutscher Schlager verträgt vielleicht ein "Dam Dam" oder "Hossa Hossa", aber kein Abgleiten in Kunstwörter oder DaDa-Stil (Ausnahme vielleicht "Trio").

  9. #9
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    Mit Trio haben wir ja Gott sei Dank nicht mehr das Problem, jedenfalls kann Stefan Remmler kein Trio mehr sein, denn beide Mitstreiter sind verstorben und vermutlich will er das auch nicht.

    Vermutlich hängt auch vieles damit zusammen, dass die musikalische Ausbildung hinter allem hinterherhinkt. Die Szene ist weniger von Leuten geprägt, die eine Band hinter sich haben, weil es diese auch kaum noch in dem früheren Maße gibt. Da werden Leute aus dem Boden gestampft, die noch nicht einmal wissen wie ihnen geschieht oder die sich selbst völlig überschätzen. Da geht es allein um schnelles Geld. Es wird ein Playback mit Profimusikern erstellt und das reicht.
    In der E-Orgelszene gilt das nicht minder, eine Dame an der E-Orgel wird plötzlich zum absoluten Weltstar gemacht, obwohl der Großteil allein von einem wirklich großartigen Musiker und Produzenten eingespielt wurde. Da werden dann Hobbymusiker zu Superstar gemacht.

    Das Geschäft ist viel schnelllebiger geworden. Leute wie Phil Collins produzierten einen Hit nach dem anderen. Wer kennt heute noch irgendwelche Titel von irgendwelchen Sängern oder gar Rappern?

    Noch ein Beispiel: Kerstin Ott, unsere Tochter hatte sie neulich mal kennen gelernt. Sie schrieb in traurigen Stunden ihres Lebens "Die Frau, die immer lacht". Mitklatschen und mitgrölen ist angesagt. Damit tritt sie regelmäßig auf und sie macht damit ihr Geld.

    Doch mit ihrem Leben hat der Titel nicht das geringste zu tun, denn sie hatte Krebs und versuchte sich nicht unterkriegen zu lassen. Daraus entstand eigentlich der besinnliche Titel, den sie mit ihrer Gitarre begleitete. So wollte sie den Titel verstanden wissen. Aber nix da. Die Produktionsfirma machte daraus einen Stampftitel. Nun ja.
    Gruß Lutz

  10. #10
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    Zitat Zitat von Lutz Beitrag anzeigen
    Die Produktionsfirma machte daraus einen Stampftitel. Nun ja.
    Der kommerzielle Erfolg bei kleiner werdendem Markt (Streamingdienste etc.) erkauft sich nur durch rücksichtslose Stromlinienförmigkeit. Die Frage ist nur, wollen die Leute wirklich
    nur so "dümmliches" Zeug oder hören die meisten dies, weil sie nichts anderes vorgesetzt bekommen. Über die Weihnachtstage habe ich die Autobiographie von Edgar Froese (Tangerine
    Dream) gelesen und dort gab es auch einige Beispiele, wie die Produzenten nur Kohle machen wollten und mit der Musik eigentlich gar nichts am Hut hatten (Beispiel: Branson von
    Virgin Records).

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